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Jahresbericht 2002


Allgemeines

Jahr eins nach Revision der Stiftungsurkunde brachte neuen Wind in die Segel des Grundversorgerflaggschiffes KHM. Die neuen Strukturen haben sich bewährt. So sehr bewährt, dass wir beginnen konnten, das Kollegium weiter zu professionalisieren. Der Stiftungsrat hat beschlossen, das Amt des Geschäftsführer auszubauen, damit dieser dem strategischen Leitungsgremium vermehrt zur Seite stehen und den Stiftungsrat in administrativer Hinsicht wirkungsvoll entlasten kann. Die Bestrebungen des KHM, für alle Grundversorgergesellschaften eine gemeinsame Geschäftsstelle zu schaffen, lassen sich leider (noch) nicht realisieren, die Zeit scheint für diesen Schritt noch nicht reif zu sein.
Dank des nach wie vor grossen Erfolges unseres Fortbildungskurses in Luzern und eines Achtungserfolges des erstmals durchgeführten französischen Pendants in Lau-sanne, ist es unserem Kassier gelungen, im vergangenen Jahr auch ohne den Beitrag der SAMW schwarze Zahlen zu schreiben. Der Kongressgewinn verschafft uns auch den finanziellen Spielraum, die angestrebten Professionalisierungsschritte zu finanzieren.


Stiftungsrat

Das Jahr 2002 verlief ohne personelle Veränderungen im Stiftungsrat. Der mehrjährige Vertreter von Prof. Gyr (Fakultät Basel), Dr. Peter Hengstler wurde durch Dr. Daniel Gremmelmaier ersetzt. Es wäre wünschenswert wenn auch die anderen Fakultäten in Zukunft von der Möglichkeit der Stellvertretung, die jetzt ja auch in der Stiftungsurkunde verankert ist, Gebrauch machen würden, um eine möglichst regelmässige Mitsprache im Stiftungsrat zu gewährleisten.
An einer Klausurtagung und an vier Stiftungsratssitzungen beschäftigten wir uns nebst den Fortbildungskursen schwergewichtig mit zwei Forschungsprojekten. Anfangs Jahr startete die vom der KHM-Klausur 2001 initiierte Studie zur Befindlichkeit der Grundversorger in der Schweiz, welche von der SAMW an eine Forschergruppe um P. Bovier aus Genf vergeben wurde. In der zweiten Jahreshälfte versuchten wir, proaktiv in die unerfreulichen Diskussionen um die Aufhebung des Kontrahierungszwanges einzugreifen. Nachdem eine Delegation des Stiftungsrates im Februar an einem Hearing der Nationalratskommission für soziale Sicherheit und Gesundheit zum Thema den Standpunkt der Grundversorger einbringen konnte, möchten wir eine Untersuchung lancieren, welche Kriterien überhaupt eine validierte Aussage über die Performance eines Grundversorgers erlauben. Die Studie wird anfangs 2003 starten.
Aufgrund der Fertigkeitsausweise Praxislabor und Hochdosisröntgen hat das KHM, nebst seinem Mitspracherecht in der Aerztekammer, auch einen Sitz in der KWFB (Kommission für Weiter- und Fortbildung der FMH) erhalten, der uns erlaubt, auch in diesem Gremium unsere Interessen zu vertreten.


Klausurtagung

Am 25./26. Januar führten wir erneut eine Klausurtagung, diesmal in Grindelwald durch. Ein detaillierter Bericht wurde in PrimaryCare publiziert. Anhand des Beispiels für das Teamwork, welches zum Bau einer neuen Hütte auf dem Mittelegigrat notwendig war, versuchte der Stiftungsrat zusammen mit den Arbeitsgruppenleitern und geladenen Gästen aus den Grundversorgergesellschaften, der SAMW und den Bundesämtern BAG und BSV die Rolle des KHM im Teamwork der Grundversorgung zu definieren.
Unter Respektierung der Kernkompetenzen der einzelnen Fachgesellschaften wurde dabei reichlich Spielraum für gemeinsame Aktivitäten und Bedürfnisse identifiziert. Durch die erfolgreiche Realisierung der bisherigen Projekte Praxisassistenz, Praxislabor und Hochdosisröntgen ist es dem KHM gelungen, die anfängliche Skepsis zu überwinden. Insbesondere in den Bereichen Prävention und Forschung wurden dem KHM weitere Aufgaben übertragen.


Projekte und Arbeitsgruppen

  1. Aus- und Weiterbildung
    Die Arbeitsgruppe hat nebst den "klassischen Aktivitäten" dieses Jahr auf Anregung der FMH damit begonnen, ein Weiterbildungsmodul "Praxismanagement für Grundversorger" zu entwickeln. An einer Klausurtagung wurden mögliche Inhalte diskutiert, die Umsetzung soll im Jahr 2003 unter der Leitung von Dr. Ueli Grüninger beginnen.
    Auch eine bessere Strukturierung der Weiterbildung zum Hausarzt wurde an die Hand genommen, ein Projektvorschlag ist in Vorbereitung.
    Unter der Federführung der FIHAM-Mitglieder in der Arbeitsgruppe wurde zuhanden der SMIFK ein Grundlagenpapier zur Stellung der Hausarztmedizin im Medizinstudium vorbereitet, welches im Frühjahr 2003 verabschiedet werden soll.
    Das LehrärztInnentreffen in Magglingen und das Hausarztmedizinseminar auf dem Bielersee wurden wiederum mit gutem Erfolg durchgeführt.
  2. Praxisassistenz
    Als grosser Erfolg konnte die Verlängerung unseres Projektes durch die Aerzte-kammer für weitere drei Jahre verbucht werden. Der Evaluationsbericht von Peter Schläppi machte die Argumentation allerdings einfach. Die Assistenten beurteilen ihre Praxisassistenzen durchwegs sehr positiv und äusserst hilfreich auf dem Weg in die Selbständigkeit. Der Einführungskurs für Lehrpraktiker erfreut sich steigender Nachfrage, bei den Praxisassistenten zeigt der Trend auf eine Verlängerung der Praxisassistenzdauer in Richtung der vom KVG postulierten 6 Monate. Bleibt als einziger Wermutstropfen die ewige Suche nach zusätzlichen finanziellen Mitteln.
  3. Forschung
    Nebst der Bewirtschaftung des elektronischen Registers für Projekte und For-schungsarbeiten im Gebiet der ambulanten Medizin und der Mitwirkung im Len-kungsausschuss des Programmes zur Evaluation der Komplementärmedizin (PEK) des BSV, plant die Arbeitsgruppe Forschung ein nationales Netzwerk und ein nationales Institut für Forschung in der ambulanten Medizin. Ziel ist die aktive Förderung und Unterstützung dieses bisher recht stiefmütterlichen Forschungszweiges durch professionelle Strukturen. Ein Projektentwurf wurde inzwischen an der Klausurtagung 2003 des KHM vorgestellt.
  4. Prävention
    Nach wie vor sehr viel Elan zeigt die kleine Arbeitsgruppe Prävention. Sie enga-gierte sich im Raucherentwöhnungsprogramm von BAG und Lungenliga und im SelfCare Programm zur Frühentdeckung des Diabetes. Nach jahrelanger Vorberei-tungszeit mit vielen Auf und Ab konnte erstmals ein gemeinsames Projekt mit dem SAV (Schweizerischen Apothekerverband) durchgeführt werden. Quintessenz: Lerneffekt va im Bereich Koordination und Zusammenarbeit, Projektqualität verbesserungsfähig. Aber wir sind der klaren Meinung, dass insbesondere im Bereich der Prävention die Kräfte in einem kleinen Land wie der Schweiz unbedingt gebündelt werden müssen. Im kommenden Jahr wünscht die Arbeitsgruppe eine prospektive Studie im Bereich Ernährung/Übergewicht durchzuführen, ein Projekt ist in Vorbereitung.
  5. Kongress Luzern
    Der 4. Fortbildungskurs in Luzern vom 13./14. Juni war erneut ein Grosserfolg. Be-reits haben gegen 700 Grundversorger teilgenommen. Der Mix aus praxisrelevanter Fortbildung, konsequent durch ein Team aus Spezialist und Grundversorger präsentiert, Standespolitik und Kultur spricht sowohl ÄrztInnen wie Sponsoren an. Mit dem Thema "Erde" ging der Vierjahreszyklus der Elemente zu Ende, ab 2003 folgt ein Zyklus zum Thema der "Jahreszeiten". Erfolg verpflichtet!
  6. Kongress Lausanne
    Am 3. Oktober wurde erstmals in Lausanne, in französischer Sprache ein eintägiger Fortbildungskurs zum gleichen Thema wie in Luzern durchgeführt. Während der Vorbereitung spürten wir in der Westschweiz eine gewisse Skepsis, aber schliesslich haben über hundert Teilnehmer und ein "warmes" Sponsoreninteresse auch hier bereits bei der ersten Durchführung zu einer ausgeglichenen Rechnung geführt. Das Echo war durchwegs positiv, so dass wir motiviert damit begonnen haben, auch diesen Fortbildungskurs zur Tradition werden zu lassen.
  7. Zeitschrift PrimaryCare
    Bereits gut etabliert und viel beachtet bot uns unsere gemeinsam mit der SGAM und dem EMH-Verlag herausgegebene Grundversorgerzeitschrift Gelegenheit, unsere standespolitischen Anliegen zu verbreiten und über unsere Fortbildungskurse zu berichten. Da die Wartezeiten bis zur Publikation der Kongressberichte etwas gar lang waren, wird ab 2003 versuchsweise die Erscheinungsfrequenz erhöht.
  8. FA "Praxislabor"
    Trotz einigem Hin und Her um die Notwendigkeit dieses Ausweises haben bis Ende 2002 über 7'000 Grundversorger im Rahmen der Übergangsregelungen diesen Ausweis erworben. Die ersten Kurse für zukünftige Laborbetreiber werden im Laufe 2003 durchgeführt werden. Das entsprechende Lehrmittel wird auch allen Ausweisinhabern zur Verfügung gestellt. Nach diesem erfreulichen Erfolg wird sich die Arbeitsgruppe in Zukunft auch der Organisation qualitativ hochstehender Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Praxislabor widmen.
  9. FA "Hochdosisröntgen"
    Bereits haben über 2'500 Betreiber einer Röntgenanlage diesen Ausweis erworben. Im Gegensatz zum Praxislabor ist hier die Rechtslage klar: da der Ausweis einer Verordnung des BAG entstammt, ist sein Besitz unabdingbar für die weitere Durchführung strahlenintensiver Röntgenuntersuchungen. Im Moment ist die Ausbildung der Tutoren für die Ausbildung im Gang.


Professionalisierung

Der Erfolg und die ständig anwachsende Palette von Betätigungsfeldern des KHM hat auch zu einer Zunahme der Belastung der Stiftungsratsmitglieder und der Arbeitsgrup-pen geführt. Um den Beteiligten wieder zu ermöglichen, hauptsächlich im Bereich ihrer Kernkompetenzen tätig zu sein, hat der Stiftungsrat beschlossen, den Posten des Geschäftsführers auszubauen.
Mit Dr. med. Ueli Grüninger, bisher Sektionschef im BAG hat der Stiftungsrat die ideale Person für diese Stelle gefunden. Dr. Grüninger ist von Haus aus Internist, Sozial- und Präventivmediziner, hat grosse epidemiologische und psychosoziale Erfahrung und hat massgeblich an der Legiferierung des neuen Medizinalberufegesetzes mitgewirkt. Ganz nebenbei bringt er ein grosses persönliches Beziehungsnetz mit an seinen neuen Arbeitsplatz. Er ist schon seit Jahren Mitglied der Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung des KHM und hat soeben sein "internes Gesellenstück" mit der Ausarbeitung des Projektes "Praxismanagement für Grundversorger" abgelegt. Er wird ab dem 1. September 2003 zu vorerst sechzig Prozent für das KHM tätig sein.
Im Herbst 2002 haben wir ausserdem von der Krebsliga die Kündigung für unsere Büroräumlichkeiten erhalten und müssen bis spätestens im Oktober 2003 umziehen.
Auf diesen Zeitpunkt werden auch die Arbeitsverträge unserer Sekretärinnen von der Uni Bern an das KHM übergehen. Silva Keberle hat es übernommen, die arbeitsrechtliche Seite all dieser Veränderungen für uns zu regeln.


Jahresrechnung

In finanzieller Hinsicht waren wir 2002 sehr gespannt, wie wir das erste Jahr ohne fi-nanziellen Beitrag der SAMW überstehen würden. Dank einem wiederum sehr erfolg-reichen Kongress konnten wir auch das Jahr 2002 mit einem finanziell positiven Resultat abschliessen. Dem Aufwand von SFr.1'294'626.90 steht ein Ertrag von SFR. 1'417'074.35 gegenüber. Auch der Kassier kann also mit gutem Gewissen der Anstel-lung eines Geschäftsführers im Laufe des Jahres 2003 zustimmen. Die detaillierte Jahresrechnung liegt wiederum bei einem Teil der Adressaten dem Bericht bei oder kann beim Sekretariat des KHM angefordert werden.


Dank

Wie jedes Jahr hat die Arbeit im Kollegium für Hausarztmedizin wiederum sehr viel Freude gemacht. Mein herzlicher Dank gilt allen, die dazu in irgendeiner Form beigetra-gen haben. Stellvertretend seien an dieser Stelle einerseits unsere Sekretärinnen ge-nannt, die den unglaublichen Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit den Fertigkeits-ausweisen selbstverständlich auch noch erledigt haben und andrerseits gilt ein grosses Dankeschön auch unserer Kongressorganisation, der Agentur Dr. Schlegel , die massgeblich zu unserem "Wohlbefinden" beiträgt.


Juni 2003 Dr. med. M. Müller
Präsident