Jahresbericht 2008
Allgemeines
2008 war ein in jeder Hinsicht bewegtes Jahr für die HausärztInnen und das Kollegium für Hausarztmedizin KHM. Nicht nur verstrickten uns EDI und BAG in unerfreuliche Diskussionen über die Zukunft der Hausarztmedizin, indem sie darauf beharrten, an einer Senkung des Labortarifs per 1.7.2009 festzuhalten, obschon die Ärzteschaft einerseits den Beweis angetreten, dass diese Tarifsenkung das Praxislabor in seiner Existenz ernsthaft gefährden wird und andrerseits einen pragmatischen Vorschlag vorgelegt hat, wie mit einer WZW-konformen Point-of-care-Tarifierung den Besonderheiten dieses unabdingbaren Arbeitsinstrumentes unserer Hausarztpraxen Rechnung getragen werden könnte. Darüber hinaus wird auch erneut mit fadenscheinigen politischen Argumenten auf dem Buckel der HausärztInnen gespart, weil von diesen am wenigsten Widerstand erwartet wird. Die grossen Kostenfaktoren wie Spitzenmedizin, Spitalambulatorien oder Medikamentenkosten werden einmal mehr geschont. Der Verdacht, dass diese kontinuierliche Schwächung der Hausarztmedizin einer politischen Hidden-Agenda entspricht, drängt sich deshalb auf. Die HausärztInnen werden diesen Qualitätsabbau jedoch nicht einfach hinnehmen. Nebst intensivem politischen Lobbying sind für den Anfang des Jahres 2009 erneute politische Kampfmassnahmen, erneute Kundgebungen geplant.
Ausserdem hat der politische Druck unsere bereits vorher intensiven Bestrebungen um die Gründung eines Berufsverbandes nur verstärkt. Eine Projektgruppe unter der Leitung des KHM-Präsidenten und der subtilen Moderation durch Herrn Kurt Aeberhard von der Firma Innopool hat einen Statutenentwurf für den neuen Berufsverband «Hausärzte Schweiz» erarbeitet, der die Interessen der Schweizer HausärztInnen im politischen und gewerkschaftlichen Bereich erstmals verbindlich bündelt. Als erste Fachgesellschaft hat die SGAM an ihrer Jahresversammlung diesem Entwurf bereits zugestimmt. Im Frühjahr 2009 werden auch SGIM und SGP an ihren Jahresversammlungen zu den Statuten Stellung nehmen, und im September 2009, anlässlich des WONCA-Kongresses in Basel, soll der neue Verband gegründet werden.
Es ist höchste Zeit für diesen wichtigen Schritt!
Stiftungsrat
Der Stiftungsrat traf sich auch 2008 wiederum zu einer Klausurtagung und zu vier Stiftungsratssitzungen. 2008 war wiederum ein Jahr der Erneuerung: Nach langer Vakanz wurden die beiden Stiftungsratssitze der Fakultät Zürich wieder besetzt, indem Prof. Eduard Battegay als Fakultätsvertreter und Prof. Thomas Rosemann als Vertreter des Instituts für Hausarztmedizin Einsitz nehmen konnten. Ueli Bodmer wurde als Delegierter der FIHAM Bern durch Andreas Rothenbühler ersetzt. Unser Stiftungsratsmitglied Thomas Bischoff wurde zum interimistischen Leiter des neugegründeten Instituts für Hausarztmedizin in Lausanne gewählt (inzwischen wurde er unter Ernennung zum Professor für Hausarztmedizin in diesem Amt bestätigt!). Pius Bürki als Vertreter der SGP im Stiftungsrat hat das vakante Amt des Quästors des KHM übernommen.
An der Stiftungsratssitzung im November galt es aber auch Abschied zu nehmen: nach vielen Jahren intensiver Mitarbeit im Stiftungsrat mussten/durften wir Hansueli Späth, den langjährigen «Mister SGAM» und Pierre Klauser, unseren langjährigen Vizepräsidenten und Kämpfer für das Mitwirken der Pädiater im Kollegium für Hausarztmedizin, gebührend verabschieden. Beide wurden unter Verdankung ihrer grossen Verdienste in den «Senat»- die Ehemaligen- Vereinigung des KHM - aufgenommen.
Leider ist der eine Sitz der Fakultät Basel, nach dem «Umzug» von Prof. Battegay nach Zürich, immer noch vakant, wir hoffen, dass auch dieser Sitz 2009 wieder besetzt werden kann.
Nebst intensivem Mitwirken bei den Vorbereitungsarbeiten zum neuen Berufsverband der HausärztInnen hat sich der Stiftungsrat auch an der Strukturierung der neuen Stiftung für Weiterbildung in der Hausarztmedizin beteiligt, welche das Praxisassistenzprogramm des KHM in einer eigenständigen juristischen Form weiterführen wird; hier galt es vor allem auch sicherzustellen, dass die finanziellen Entflechtungen reibungslos erfolgen (vgl. Näheres im Abschnitt «Praxisassistenz» unten).
Mit grosser Freude durfte der Stiftungsrat davon Kenntnis nehmen, dass es einer Vorbereitungsgruppe um unseren Geschäftsführer Ueli Grüninger nicht nur gelungen ist, ein grosses Projekt zur verstärkten Implementierung der Prävention in der Hausarztpraxis zu erarbeiten (Projekt Gesundheitscoaching KHM), sondern dieses auch durch Sponsoringgelder vollständig zu finanzieren! Herzliche Gratulation!
Klausurtagung
Nachdem in den letzten Jahren in den Fachgesellschaften der HausärztInnen und im KHM immer und immer wieder die Notwendigkeit einer Stärkung der Hausarztmedizin betont worden ist, haben die Kader der SGAM ihren Vorstand beauftragt, bis zur Jahresversammlung 2008 ein Projekt für einen Berufsverband der HausärztInnen auszuarbeiten. An seiner Klausurtagung vom 11./12. Januar 2008 in Interlaken hat der Stiftungsrat des KHM diesen Auftrag ebenfalls aufgenommen und mit Gästen aus allen Bereichen der Hausarztmedizin, unter der erfahrenen Moderation von Hans-Jörg Schlegel, wesentliche Grundlagen für einen derartigen Berufsverband erarbeitet. Grundsätzliche Ziele wie ein Zusammenschluss aller hausärztlich Tätigen, inklusive der Kinderärzte, Durchsetzung der drei Kernforderungen der Kundgebung vom 1.4.2006, Positionierung der HausärztInnen als Ansprechpartner für Politik, Medien, Versicherer und Öffentlichkeit wurden ebenso formuliert wie grundlegende Strukturelemente für den zukünftigen Verband. Schlanke Strukturen, klare Aufgaben, klare Ziele, Einzelmitgliedschaft als Basis, eine enge Anbindung an die bisherigen Strukturen, aber mit verbindlicher Bereitschaft der bisherigen Verbände, entsprechende Aufgaben an den neuen Berufsverband zu delegieren, waren wesentliche Forderungen, die formuliert wurden. Wichtigstes Resultat der Klausurtagung war aber die Einigung von SGAM, SGIM, SGP und KHM, eine Projektgruppe einzusetzen, um diese Vision auch zielgerichtet und zeitgerecht (bis Herbst 2009) umzusetzen.
Projekte und Arbeitsgruppen
- Aus- und Weiterbildung
Die Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung des KHM hat versucht, ihrer Funktion als Think-Tank für die Qualitätsförderung in der Aus- und Weiterbildung in der Hausarztmedizin gerecht zu werden und hat sich anlässlich ihrer Klausurtagung 2008 ausführlich mit dem neuen Weiterbildungsprogramm für Allgemeine Innere Medizin befasst. Dieses ursprünglich als neues WBP für die Innere Medizin geplante Programm soll die beiden Weiterbildungstitel für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in einem einzigen Facharzttitel zusammenführen. Die Gruppe konnte insbesondere auf Seiten der Allgemeinmediziner wesentliche Vorbehalte abbauen, wichtige Inputs erarbeiten und so dazu beitragen, dass das Projekt voraussichtlich 2009 abgeschlossen werden kann.
Am 26. April 2008 fand das 11. Bielerseeseminar für AssistenzärztInnen statt. Als Nachfolgerin von Markus Battaglia, der bei diesem Anlass mit grossem Dank verabschiedet wurde, hat Alexandra Röllin als Organisatorin fungiert. Verschiedene für den Schritt in die Praxis wichtige Workshops haben wiederum grossen Anklang gefunden.
Am 29. Mai 2008 organisierte die Fakultät Genf das 11. Schweizer LehrärztInnentreffen. Die notwendigen Anpassungen in der Aus- und Weiterbildung der zukünftigen HausärztInnen, die sich aus einem Gesundheitssystem und einem Berufsbild im Wandel ergeben, waren das Thema der von Lehrärzten gut besuchten und mit namhaften Gästen aus Universität, Kantonsspital und Bund bestückten Veranstaltung.
Ausserdem bietet die Arbeitsgruppe immer auch eine Plattform für formelle oder informelle Treffen der verschiedenen Hausarztinstitute, ganz im Sinne des Stiftungszweckes des KHM («Förderung und Verbesserung der Zusammenarbeit»), sowie für das Programm Praxisassistenz und das Weiterbildungsmodul Praxisführung (s.u.).
- Praxisassistenz
Zunächst hat das Programm Praxisassistenz definitiv den Schritt vom Provisorium in die Dauerhaftigkeit geschafft, indem seine Finanzierung bei der FMH ab 2008 fest ins jährliche Budget aufgenommen wurde. Um der rasch wachsenden Nachfrage nach Praxisassistenzen auch in Zukunft gewachsen zu sein, hat der Stiftungsrat des KHM eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Ruth-Gaby Vermot (Büro Hekate) eingesetzt, um die dafür notwendigen Strukturen zu schaffen. Am 13.11.2008 konnte schliesslich eine neue, eigene «Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin WHM» gegründet. Als Stiftungsratspräsidentin fungiert Frau Nationalrätin Marina Carobbio Guscetti (SGAM), die weiteren Stiftungsräte sind Max Giger (FMH), Jürg Pfisterer (SGIM), Oliver Adam (SGP), Urs Sieber (VSAO) und Marc Müller (KHM). Als Geschäftsleiterin fungiert weiterhin Frau lic. phil. Manolya von Erlach, im Sekretariat stehen ihr Frau Jacqueline Bähler und Frau Franziska Kohler zur Seite.
Die neue Stiftung WHM wird ab 2009 die Aufgaben des bisherigen Programms Praxisassistenz KHM übernehmen, inkl. die bewährten Lehrpraktikerkurse. Das Programm Praxisassistenz und das Board werden nach der Begleitung einer Übergangszeit aufgelöst werden. Deshalb an dieser Stelle herzlichen Dank an die Verantwortlichen, vor allem Peter Schläppi, Bernhard Rindlisbacher, Markus Battaglia und Susi Stöhr, für ihren jahrelangen grossen Einsatz für die endliche Implementierung der Weiterbildung in der Hausarztpraxis zuerst ins Bewusstsein der Verantwortlichen und schliesslich auch in den beruflichen Werdegang der zukünftigen HausärztInnen.
- Praxisführung
Nach einjährigem Unterbruch, der für eine Umgestaltung mit Straffung des Kursablaufs benützt wurde, hat auch das Projekt Praxisführung wieder «Fahrt aufgenommen». Mit steigenden Teilnehmerzahlen werden den zukünftigen Hausärzten in modularem Aufbau Kenntnisse zur Personalführung, Weiterbildung, Vernetzung, aber auch zu den wichtigsten Fragen zu den Finanzen in der Arztpraxis vermittelt, also Kenntnisse die in dieser kompakten Form sonst kaum vermittelt werden. Für Teilnehmer am programm PraxisassistenzKHM bzw neu Praxisassistenz WHM ist der Besuch von zwei Modulen Vertragsbestandteil.
- Forschung
Der Gründer und «Spiritus rector» der Arbeitsgruppe, Beat Künzi hat sich Ende des Jahres aus persönlichen und vor allem familiären Gründen nach vielen Jahren von der «Forscherfront» zurückgezogen. An der Stiftungsratssitzung im November wurde er unter Verdankung seiner enormen Verdienste um die Forschung in der Hausarztmedizin gebührend verabschiedet. Nach der Gründung von Hausarztinstituten an fast allen Fakultäten, für welche die hausärztliche Forschung recht eigentlich einen zentralen Daseinszweck bedeutet, musste der Aufgabenbereich der AG Arbeitsgruppe Forschung Hausarztmedizin (FoHAM) des KHM überdacht werden. Nebst der Organisation, Jurierung und Vergabe des KHM-Forschungspreises für Hausarztmedizin wird die Arbeitsgruppe in nächster Zeit hauptsächlich eine Plattform für die Koordination der Hausarztforschung auf nationaler Ebene und für die Hausarztinstitute anbieten; Details sind in Verhandlung.
- Prävention
Die Arbeitsgruppe Prävention hat an der Vernehmlassung des neuen Präventionsgesetzes teilgenommen. Einerseits konnten sich die Grundversorger durch unsere Mitgliedschaft bei Public Health Schweiz an der breiten Diskussion beteiligen, andrerseits hat die Gruppe versucht, durch eine eigene Vernehmlassungsantwort den Stellenwert der Individualprävention, wie sie in den Hausarztpraxen betrieben wird, zu vergrössern. Weitere Stellungnahmen wurden verfasst zur Änderung der Lufreinhalteverordnung, zur Totalrevision des Epidemiegesetzes, zum Entwurf des Nationalen Programms Tabak 2008-12 sowie zur Nationalen Blutdruckoffensive der Herzstiftung.
Die Arbeitsgruppe hatte ihre Vernetzung mit EuroPrev durch die Mitarbeit bei Euro-Preview-Patient verstärkt.
Am 7. November 2008 hat das KHM zusammen mit den Fachgesellschaften den 5. Nationalen Grippeimpftag der Schweizer Hausärzte durchgeführt; dieser Tag scheint sich allmählich fest zu etablieren, bei den HausärztInnen (ca. 60% machen mit) und in der Bevölkerung (65% kennen den Grippeimpftag).
Mit grossem Aufwand wurde auch das vom KHM selbst entwickelte Beratungsprogramm Gesundheitscoaching vorangetrieben. Nebst dem erfolgreichen Fundraising für die vollständige Finanzierung des Programms durch den KHM-Geschäftsführer Ueli Grüninger wurde die Entwicklung dieses mehrdimensionalen Programms zur Erhebung und Beeinflussung gesundheitsrelevanten Verhaltens soweit abgeschlossen, dass 2009 ein Pilotprojekt in Hausarztpraxen, in Zusammenarbeit mit der Ärztegesellschaft des Kantons St. Gallen, umgesetzt werden kann. Herzlichen Dank für diese grossartige Arbeit durch Ueli Grüninger und sein Projektteam. Mit diesem Projekt wird endlich eine «Werkzeugkiste» für die Prävention in unseren Praxen zur Verfügung stehen.
- Tarife
Nach grossem Einsatz als Leiter der AG Tarife des KHM (u.a. mit Aufschaltung einer Internetplattform zur Einführung des neuen Röntgentarifs), fühlte sich Beat Dubs zunehmend unwohl im Büro Tarife der FMH, sobald Diskussionen um die Tarifdisparitäten zwischen Spezialisten und Grundversorgern aufkamen. Um diesen Loyalitätskonflikt auszuräumen, übergab Beat Dubs am 16.10.2008 die Leitung der AG an Francesco Pedrazzini. Herzlichen Dank an Beat Dubs für seine grosse und überaus kompetente Arbeit! Wir sind glücklich darüber, dass er uns sein grosses Wissen weiterhin zur Verfügung stellen wird. Die AG nimmt eine wichtige koordinierende Rolle zwischen den Grundversorgern und dem Büro Tarife der FMH wahr, aber ebenso zwischen den Grundversorgergesellschaften.
Die Tarifdiskussionen haben in diesem Jahr fast nur unerfreuliche Schlagzeilen gebracht: Absenkung des Labortarifs auf dem Verordnungsweg, Blockierung der längst fälligen TPW-Erhöhung im UV/MV/IV-Bereich durch die MTK sowie Verzögerung des TarMed-Revisionsprojektes 2010 durch SantéSuisse. Wenig erfreuliche Perspektiven für die Attraktivität unseres Berufes...
- CIRS (Critical Incident Reporting System)
Die Bereitschaft der Hausärztinnen und Hausärzte, «Beinahezwischenfälle» in ihren Praxen an CIRS zu melden ist nach wie vor gering, allerdings scheinen verschiedene Qualitätszirkel und Netzwerke CIR in einem geschlossenen Rahmen zu praktizieren. Die Zukunft unserer Plattform muss deshalb sicher überarbeitet werden.
Andrerseits hat sich das KHM entschlossen, der Stiftung für Patientensicherheit beizutreten. Bisher hat Prof. Max Stäubli die Grundversorger dort vertreten. Herzlichen Dank für seinen Einsatz! Der Leiter der AG CIRS, Andreas Brun, hat sich nun bereit erklärt, seine Nachfolge anzutreten, er wird versuchen, dort auch hausarzt- bzw. praxisrelevante Projekte einzubringen und so Bekanntheitsgrad und Akzeptanz einer verbesserten Fehlerkultur auch bei den HausärztInnen zu fördern.
- Kongress Luzern
Am 19. und 20. Juni 2008 fand bereits zum 10. Mal der Fortbildungskongress des KHM in Luzern statt. Zur Feier des Jubiläums fand am 19.6. ein kleiner Festakt mit einem Konzert der Big Band Zug statt. Der Fortbildungskurs unter dem Thema «Jung und alt» zog wiederum 1000 Besucher an, das traditionelle standespolitische Seminar war dem Thema «Neue Berufsbilder (im Gesundheitswesen)» gewidmet. Der Kongress ist teilnehmermässig im Kunst- und Kongresszentrum Luzern an seinen Grenzen angelangt, die Industrieausstellung ist dank unserem Kongressorganisator Schlegel Healthworld immer ausverkauft. Dadurch trug der Ertrag des Kongresses auch 2008 wiederum massgeblich zum finanziellen Erfolg, beziehungsweise zur Finanzierung des KHM bei.
- Kongress Lausanne
Der Lausanner Fortbildungskurs fand dieses Jahr am 4.9. statt, Thema «Grandir et vieillir». Trotz wiederum leicht steigender Teilnehmerzahl bei einer treuen «Stammbesucher»- Kundschaft ist es nach wie vor schwierig, das finanzielle Ergebnis dieses eintägigen Fortbildungskurses im Bereich der schwarzen Zahlen zu halten. Dennoch gehört dieser Kongress unbedingt zum Auftreten und zum Erscheinungsbild des CMPR in der Romandie und ist aus dem Veranstaltungskalender nicht wegzudenken. Dem wissenschaftlichen Vorbereitungskomitee der beiden Kongresse mit Vertretern aus allen Trägergesellschaften gebührt ein grosser Dank für die qualitativ hochstehende Programmierung.
- PrimaryCare
Ende 2007 hat der Neustart von «PrimaryCare» als Verlagszeitschrift des EMH-Verlages stattgefunden. Im Jahr 2008 konnte die innen und aussen erneuerte Zeitschrift ihre Wichtigkeit als DAS Publikationsorgan der Schweizer Hausärztinnen und Hausärzte gleich unter Beweis stellen, indem sie nicht nur für die zeit- und sachgerechte Information der Hausärztebasis zum Thema des neuen Berufsverbandes sicherstellte, sondern sich auch prominent als Sprachrohr im Kampf der Grundversorger gegen die ungerechtfertigte Senkung der Labortarife durch das BAG profilierte.
Nach dem Motto «Was lange währt, wird endlich gut», hat sich der Umbauprozess gelohnt, ganz unabhängig davon, dass auch die finanziellen Sorgen um unseren Medienauftritt so der Vergangenheit angehören. Beim EMH-Verlag sind wir publizistisch bestens aufgehoben und stossen auf grosse Unterstützung und Verständnis. Herzlichen Dank!
- Fähigkeitsausweis «Praxislabor»
2008 fanden 2 Kurse in Luzern und 1 Kurs in Lausanne statt, insgesamt haben 192 Kandidaten neu den Fähigkeitsausweis Praxislabor erworben. Die Evaluationsergebnisse zeigen die gute Akzeptanz der neuen Form der Kurse. Dank der grossen Anzahl von Teilnehmern und der zentralisierten Durchführung konnte die «Buchhaltung» der Arbeitsgruppe mit schwarzen Zahlen abschliessen. Die Zukunft des Fähigkeitsausweises Praxislabor ist eng mit dem Entscheid des BAG zur Senkung des Labortarifes per 1.7.2009 verknüpft. Ein drohender, nicht mehr kostendeckender Labortarif schreckt bereits im Vorfeld die Kandidaten ab, die Anzahl der Anmeldungen ist deshalb eher rückläufig.
- Fähigkeitsausweis «Hochdosisröntgen»
Insgesamt scheint die Anzahl der am Hochdosis-Röntgen interessierten Kolleginnen und Kollegen abzunehmen. Nach wie vor bildet die praktische Prüfung am Ende der Weiterbildung ein logistisches Problem, da es kaum Praxen gibt, wo die geforderten 5 verschiedenen Röntgenaufnahmen innert zumutbarer Frist für die Kandidaten durchgeführt werden können; die Kandidaten suchen ihre Pflichtaufnahmen deshalb v.a. während ihrer Spitalzeit an Röntgenabteilungen zu machen. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, die Prüfung durch eine neue formative Evaluation zu ersetzen. Sie wird einen Vorschlag erarbeiten und mit den zuständigen Stellen (FMH, BAG) diskutieren.
Jahresrechnung
Die Jahresrechnung liest sich dieses Jahr komplizierter als bisher gewohnt. Einerseits wurde dieses Jahr, aufgrund der Entflechtung von KHM und WHM die Buchhaltung des Projektes Praxisassistenz detailliert in die Gesamtrechnung eingebaut, andrerseits figurieren im diesjährigen Jahresabschluss transitorische Aktiven des Projektes Gesundheitscoaching (Geberbeiträge, die schon eingegangen sind, aber zweckgebunden erst in den nächsten ein bis drei Jahren gebraucht werden). Dass, trotz budgetiertem Defizit, schliesslich ein Ertragsüberschuss von SFr. 50'967.10 resultierte, ist, nebst vorbildlich haushälterischer Geschäftsführung durch den Interimskassier Ueli Grüninger und den neuen Kassier Pius Bürki, vor allem darauf zurückzuführen, dass das Projekt Praxisführung dieses Jahr aus organisatorischen Gründen «auf Eis lag» und dass, wegen der Verknüpfung mit dem Projekt Gesundheitscoaching, die budgetierte zusätzliche Sekretariatsstelle erst im November besetzt werden konnte.
Kein Grund also, auch aufgrund der Wirtschaftslage, in finanzielle Euphorie auszubrechen. 2009 dürften sich die Kongresseinnahmen nochmals plus/minus im bisherigen Bereich bewegen, da die Verträge mit den Ausstellern bereits unterzeichnet sind. Ab 2010 dürfte sich die Weltwirtschaftslage aber auch bei unseren Erträgen niederschlagen. Die Eigenkapitaldecke von nun SFr. 359'569.69 erlaubt uns jedoch eine gewisse Zuversicht.
Bei einem Teil der Empfänger dieses Jahresberichtes liegt auch dieses Jahr die detaillierte Jahresrechnung bei, andernfalls kann sie bei der Geschäftsstelle des KHM angefordert werden.
Ausblick
2008 war für das KHM ein erfolgreiches Jahr. Wichtige Projekte konnten vorangetrieben oder zur «Umsetzungsreife» gebracht werden (Stiftung Weiterbildung in der Hausarztmedizin WHM, Projekt Gesundheitscoaching). Ausserdem konnte das KHM eine wichtige Rolle in der «Geburtshilfe» des neuen Berufsverbandes «Hausärzte Schweiz» übernehmen. Selbstverständlich wird dieser Berufsverband auch für das KHM wichtige Veränderungen bringen: der gesamte Bereich «Politik», inklusive der politischen «Strategiegruppe» der Präsidenten der Fachgesellschaften wird an den Berufsverband übergehen. Damit verbunden - im Sinne einer Refokussierung auf den ursprünglichen Stiftungszweck muss eine Restrukturierung des KHM erfolgen. Es schwebt uns eine enge Anbindung an den Berufsverband vor, eine schlanke, effiziente und erfolgreiche Stiftung «für besondere Aufgaben», Aufgaben, die der Berufsverband und auch, wie bisher, die ebenfalls umstrukturierten Fachgesellschaften an das KHM delegieren. Beispiele für derartige Kooperationen oder «Symbiosen» gibt es sowohl bei der EFIM (Europäische Gesellschaft für Innere Medizin) wie auch bei amerikanischen Ärztegesellschaften.
Ausserdem wird es interessant sein zu erleben, wie die Facharzttitel für Innere Medizin und Allgemeinmedizin zu einem neuen Titel für «Allgemeine Innere Medizin» verschmelzen, um die Qualität der schweizerischen Hausarztmedizin auf dem Niveau einer, den Spezialistentiteln ebenbürtigen, 5-jährigen Weiterbildungszeit zu halten. Auch hier fallen die entscheidenden Würfel 2009.
Dank
Ein spannendes, aufwändiges Jahr 2008 ist vorüber, es hat viel Neues gebracht, vieles ist gelungen, vieles noch im Fluss. Für die mannigfaltigen Aufgaben des KHM braucht es grossen Einsatz der StiftungsrätInnen, Vertrauen und Unterstützung der Stifterorganisationen. Dafür herzlichen Dank!
Besonderen Dank jedoch auch dieses Jahr an unseren Geschäftsführer Ueli Grüninger und seine MitarbeiterInnen, an die ArbeitsgruppenleiterInnen und mitglieder. Das KHM lebt und gedeiht dank Euch!
Marc Müller, Präsident KHM
Download: Jahresbericht 2008 (PDF)
|